Diabetische Polyneuropathie ist eine der häufigsten und potenziell schwerwiegenden Komplikationen bei Diabetes. Sie betrifft die Nerven, insbesondere in den Füßen, und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die gute Nachricht? Mit frühzeitiger Erkennung und richtiger Pflege kann ihr Fortschreiten und die Entstehung von Komplikationen oft verlangsamt oder verhindert werden.
Was ist diabetische Polyneuropathie?
Diabetische Polyneuropathie ist eine Schädigung der peripheren Nerven, die durch langfristig hohe Blutzuckerwerte verursacht wird. Sie betrifft meist beide Körperseiten symmetrisch, beginnt an den Zehen und breitet sich im Laufe der Zeit nach oben aus – ein Vorgang, der manchmal als „Strumpfverteilung“ beschrieben wird.
Wie fühlt es sich an?
Die Symptome variieren, beinhalten aber oft:
- Kribbeln oder brennende Empfindungen
- Taubheit
- Stechende oder einschießende Schmerzen
- Koordinations- oder Gleichgewichtsverlust
- Muskelschwäche
- Diese Symptome sind häufig nachts oder in Ruhephasen stärker, was den Schlaf stören und die Lebensqualität mindern kann. Viele Patienten berichten, dass Liegen oder Entspannen die Beschwerden verstärkt.
- Manche Menschen verspüren jedoch gar keine Schmerzen – weshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig sind, auch wenn alles „normal“ scheint.
Warum ist es wichtig, die Erkrankung zu erkennen?
Auch wenn keine Schmerzen vorhanden sind, kann die diabetische Neuropathie:
- Das Risiko für Fußgeschwüre und Infektionen erhöhen.
- Zu Amputationen führen, wenn unbemerkte Verletzungen unbehandelt bleiben.
- Das Gehen oder Fahren durch Muskelschwäche oder Empfindungsverlust erschweren.
Da die Symptome anfangs unauffällig sein können, ist eine frühzeitige Erkennung entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen zu verhindern.
Differenzialdiagnosen: Wenn es sich nicht nur um Diabetes handelt
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Neuropathie bei Menschen mit Diabetes durch den Diabetes verursacht wird. Andere Ursachen müssen berücksichtigt werden, insbesondere bei untypischen Symptomen.
Hier sind einige wichtige Differenzialdiagnosen:
1. Alkoholbedingte Neuropathie
- Langfristiger Alkoholkonsum kann Nerven direkt schädigen.
- Verursacht oft ähnliche brennende kribbelnde Empfindungen und Schwäche.
- Verschlechtert sich meist, wenn der Alkoholkonsum fortgesetzt wird.
2. Medikamenteninduzierte Neuropathie
- Bestimmte Medikamente, einschließlich einiger Chemotherapie-Mittel, können Nervenschäden verursachen.
3. Vitamin-B12-Mangel
- Häufig, besonders bei veganer Ernährung oder Einnahme von Medikamenten, welche die B12-Aufnahme langfristig beeinträchtigen können (zum Beispiel Metformin, magensäurehemmende Mittel wie Omeprazol/Pantoprazol).
- Führt zu Taubheit oder Kribbeln der Füße, unsicherem Gang und sogar Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen.
- Leicht mit Bluttests diagnostizierbar und durch Supplemente oder Injektionen behandelbar.
Was können Sie tun?
1. Blutzucker kontrollieren
- Der effektivste Weg, Nervenschäden zu verlangsamen oder zu verhindern, ist die Einhaltung der Zielwerte beim Blutzucker.
2. Tägliche Fußkontrolle
- Suchen Sie nach Schnitten, Blasen, Rötungen, Schwellungen oder Anzeichen einer Infektion.
- Verwenden Sie einen Spiegel oder bitten Sie bei Bedarf um Hilfe.
3. Die richtigen Schuhe und Socken tragen
- Wählen Sie gut sitzende Schuhe mit weicher Einbettung und ausreichend Zehenfreiheit – vermeiden Sie enge oder hochhackige Schuhe.
- Vermeiden Sie das Barfußlaufen, auch zu Hause – kleine Verletzungen können aufgrund von Taubheit unbemerkt bleiben und zu ernsthaften Komplikationen führen.
4. Regelmäßige Arztbesuche
- Lassen Sie Ihre Füße und Nerven mindestens einmal jährlich untersuchen.
5. Risikofaktoren vermeiden
- Alkoholkonsum einschränken oder vermeiden.
- Rauchen aufgeben – es verschlechtert die Durchblutung und verlangsamt die Wundheilung.
6. Vitaminmängel behandeln
- Eine Behandlung des Mangels kann Symptome lindern und Verschlechterung verhindern.
Abschließende Gedanken
Diabetische Polyneuropathie ist häufig, sollte aber nicht ignoriert werden. Ob schmerzhaft, schlafstörend oder still– diese Erkrankung erhöht das Risiko ernsthafter Komplikationen.
Frühe Symptome zu erkennen, andere Ursachen wie Alkoholkonsum oder Vitamin B12-Mangel auszuschließen und die richtigen Lebensstiländerungen vorzunehmen kann die Nervengesundheit bewahren und Ihre Zukunft schützen.
Und denken Sie daran: Die Pflege Ihrer Füße, das Tragen passender Schuhe und die tägliche Kontrolle sind einige der einfachsten und wirkungsvollsten Methoden, um bleibende Schäden zu verhindern.
Comments are closed.