Schlaflabor
Diagnose und Behandlung des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms (OSAS) im Schlaflabor
Patientenprofil
- Name: Herr A., 48 Jahre alt, männlich.
- Beruf: Büroarbeit.
- Vorerkrankungen: Hypertonie, Adipositas (Übergewicht) (BMI 35), keine Schlafbezogene Erkrankungen vorbekannt.
- Symptome bei Vorstellung: vermehrte Tagesmüdigkeit, Schnarchen, nächtliches Aufwachen.
Anamnese
Herr A. gibt an, seit circa 2 Jahren unter dauerhafter Müdigkeit und einem unerholsamen Schlaf zu leiden. Sein Partner berichtet über lautes Schnarchen und Atemaussetzer im Schlaf. Obwohl Herr A. abends erschöpft ist, hat er Probleme nachts durchzuschlafen. Tagsüber leidet er unter Konzentrationsstörungen auf der Arbeit und Sekundenschlaf beim Autofahren.
Sein Hausarzt äußert den Verdacht auf eine Schlafstörung und überweist ihn für eine weitere Abklärung ins Schlaflabor.
Schritt 1: Evaluation
Bei Aufnahme füllt Herr A. Fragebögen aus, inklusive „Epworth Sleepiness Scale“ zur Evaluation der Tagesschläfrigkeit. Sein Ergebnis zeigt eine ausgeprägte Tagesschläfrigkeit und eine vermehrte Einschlafneigung, was den Verdacht auf eine Schlafstörung verstärkt.
Körperliche Untersuchung:
- Adipositas: (BMI 35)
- Halsumfang: (43 cm), Risikofaktor für das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom.
- Leicht erhöhter Blutdruck: (145/90 mmHg)
- Untersuchung der obersten Atemwege (Rachen): Tonsillen und Uvula etwas vergrößert, was zur Obstruktion der Atemwege während des Schlafs führen kann.
chritt 2: Schlafanalyse (Polysomnographie)
Herr A. wird im Schlaflabor aufgenommen zur Durchführung einer Polysomnographie; eine detaillierte Messung über Nacht, welche sämtliche Parameter während des Schlafs überwacht:
- EEG: (Elektroenzephalogramm): zur Ableitung der Gehirnwellen.
- EMG: (Elektromyogramm): zur Ableitung der Muskelaktivität.
- EKG: (Elektrokardiogramm): zur Ableitung der Herzaktivität.
- Pulsoxymetrie: zur Messung der Sauerstoffwerte.
- Luftflusssensoren: zur Überwachung des Atemmusters.
Schritt 3: Auswertung der Polysomnographie
Die Schlafanalyse zeigt folgende Ergebnisse:
- Apnoe-Hypnoe-Index (AHI): 28 Ereignisse pro Stunde (Mittelgradiges Schlafapnoe)
- Häufige Apnoen und Hypopnoen: Herr A. hat zahlreiche obstruktive (Blockierung der Atemwege) Apnoen (Atemaussetzer), mit darauffolgendem Abfall der Sauerstoffsättigung.
- Schnarchen: Lautes Schnarchen wird dokumentiert, als Folge von Verengung der Atemwege, verstärkt während des REM-Schlafs (Traum-/Tiefschlaf) und bei Rückenlage.
- Häufiges Aufwachen während der Nacht, vor allem während der REM-Schlaf-Phasen.
Schritt 4: Diagnose
Unter Berücksichtigung der Befunde wird ein obstruktives Schlafapnoe Syndrom (OSAS) diagnostiziert, eine intermittierende Blockierung der Atemwege während des Schlafs, in deren Folge die Sauerstoffsättigung abfällt und der Schlaf gestört wird.
Schritt 5: Einleitung der Therapie
Die Therapie beinhaltet:
- CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure) (kontinuierlicher positiver Atemwegdruck): Eine Überdrucktherapie durch eine „Schlafmaske“ wird verordnet und angepasst, um seine Atemwege während des Schlafs mit Hilfe eines kontinuierlichen Luftflusses offen zu halten. Herr A. wird im Umgang mit dem Gerät sowie in dessen Pflege geschult.
- Lebensstilmodifikation:
Gewichtsnormalisierung: Besprechung einer Überweisung zur Ernährungstherapie zur Unterstützung bei der Gewichtsreduktion. Letztere kann zu einer Besserung der Symptome des Schlafapnoe-Syndroms führen.
Schlafhygiäne: Empfehlung zur Verbesserung der Schlafgewohnheiten; Einhalten eines regelmäßigen Schlafrhythmus, Vermeidung von Alkohol und der Rückenlage im Schlaf. - Regelmäßige Therapiekontrolle: für die kontinuierliche Anpassung der CPAP-Therapie und die Behandlung möglicher Nebenwirkungen.
Schritt 6: Langzeitergebnis
Drei Monate nach Beginn der CPAP-Therapie berichtet Herr A. über signifikante Besserung:
- Bessere Schlafqualität: Er schläft durch und wacht nur noch selten in der Nacht auf.
- Rückgang der Tagesmüdigkeit: er fühlt sich tagsüber fitter und wacher, passend dazu ist sein “Epworth Sleepiness Scale” Score deutlich niedriger geworden.
- Gewichtsabnahme: durch Ernährungsumstellung und regelmäßige körperliche Aktivität, (welche durch bessere Leistungsfähigkeit über den Tag möglich wurde). Er hat 5 kg abgenommen, woraufhin der erforderliche CPAP-Therapiedruck reduziert werden kann.
Diskussion
Dieser Fall zeigt die Relevanz der Diagnose und Behandlung des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms (OSAS); eine häufige Krankheit, welche die Lebensqualität wesentlich beeinträchtigen kann. Die Maskendrucktherapie ist die häufigste Therapie, welche in Kombination mit Lebensstilmodifikation zu rascher und deutlicher Besserung führen kann.
Dieses Fallbeispiel zeigt auch den Zusammenhang zwischen Übergewicht und OSAS sowie die Sinnhaftigkeit einer Gewichtsreduktion für eine erfolgreiche Behandlung.
Regelmäßige Therapiekontrollen in spezialisierten Einrichtungen sorgen dafür, dass Patienten die erforderliche Unterstützung für eine langfristig effektive Behandlung erhalten.